Ich lass mal machen…über GoTo

Der Mensch ist immer wieder sehr kreativ, wenn es darum geht eine Sache voll auszukosten, ohne etwas dafür leisten zu wollen. In der Astronomie ist dabei eine beliebte Variante das GoTo-Teleskop. „GoTo“ bedeutet, dass das Teleskop selbstständig Ziele am Himmel anfahren kann. Mit einem GoTo-Telskop, so wir versprochen, lösen sich alle Probleme des Einsteigers wie von Zauberhand. Bei so manch einer Teleskop-Verpackung muss ich aber sagen, dass es mir schwer fällt, bei ihrer bloßen Betrachtung, das Frühstück drinnen zu behalten. Mit nur ein paar Handgriffen und ohne besondere Vorahnung soll es möglich sein den Nachthimmel zu erobern und um einem den Mund so richtig wässrig zu machen finden sich auf der Verpackung auch noch ein paar Deep-Sky-Objekte in Farbe. Ich würde mal sagen bei solchen Angeboten ist die enttäuschte Erwartungshaltung schon vorprogrammiert. Wenn du in Windeseile bunte Bilder aus dem Weltraum sehen willst dann hab ich eine bessere Lösung! Kauf die eine DVD über das Universum. Da lernst du auch noch etwas dazu und preislich ist das bei weitem günstiger…

Was hab ich gegen GoTo? Gar nichts. Ich besitze ja selbst 2 GoTo-fähige Monierungen und in der ein oder anderen Situation kann die elektronische Hilfe schon sinnvoll sein. Womit ich aber ein Problem habe ist, dass man offensichtlich gerne die Ahnungslosigkeit des Einsteigers nutzt um ihn zu narren.

Problem 1: GoTo funktioniert nur dann zufriedenstellend, wenn es in ein hochwertiges System eingebunden ist. Somit bedeutet ein „gut funktionierendes GoTo“ gleichzeitig ein wenig tiefer ins Brieftascherl greifen zu müssen. Entspricht das dem Geist des Anfängers?

Problem 2: „GoTo ohne Vorkenntnisse“ ist in gewissem Sinne eine leeres Versprechen. Eine GoTo-Montierung muss am Sternenhimmel ausgerichtet werden, bevor man das GoTo überhaupt verwenden kann. Dabei müssen mindestens 2 Sterne aufgefunden werden. Ganz ohne Vorkenntnisse wird das ein Problem sein!

Problem 3: Wenn man in der Astronomie fortschreiten möchte, dann ist es wichtig die Dinge von Grund auf zu verstehen und nicht auf halben Weg einzusteigen. Wichtige Grundlagen werden so später fehlen.

Problem 4: Wenn man nur wenig Budget zur Verfügung hat sollte man jeden Cent in die Qualität der Optik stecken und nicht in teure Elektronik.

Zu diesen 4 edlen Wahrheiten über GoTo-Systeme kommt noch die Tatsache, dass das Erfolgserlebnis schlichtweg ausbleibt, wenn man nie gelernt hat selbst zu suchen oder gar zu finden.

Worin liegt aber der Vorteil von einem GoTo-System?

Nun ja. Für einen fortgeschrittenen Beobachter kann es durchaus Vorteile geben. Ich selbst wohne am Stadtrand und habe gegenüber Landbeobachtern den Nachteil, dass sich sehr viele Deep-Sky-Objekte mit Sucher oder Fernrohr nicht sehen lassen. Daher muss ich bei der Astrofotografie oft anhand der Sterne um das Objekt herum einschätzen, wie ich das Fernrohr einzustellen habe. Neulich wurde mir das mal zu blöd und ich hab mir mit dem GoTo weitergeholfen. Das war aber ein Einzelfall! Wo es vielleicht noch sinnvoll sein könnte ist bei einer astronomischen Vorführung für Freunde, wo es etwas schneller gehen muss oder man womöglich Angst vor Nervosität hat. Wäre aber auch in diesem Fall peinlich, wenn die Elektronik ausfällt und man sich nicht mehr zu helfen weiß…

Also was ich für ein Einsteigerteleskop halte habe ich, denke ich, schon in einem anderen Beitrag geklärt. Das man GoTo in der ein oder anderen Situation ganz  gut anwenden kann, gebe ich zu und in manchen Fall macht es Sinn eine GoTo-Montierung anzuschaffen, weil die ein ganz klein winzig genauer läuft als ihr Pendant ohne GoTo und sich vielleicht so besser für Astrofotografie eignet. Ein gutes Beispiel dafür ist die NEQ3…mit einem guten Einstieg ohne Vorkenntnis hat das allerdings nichts zu tun.

In vielen Jahren um die Weihnachtszeit gab es beim Hofer (oder wie unsere Nachbarn sagen beim „Aldi“) das wunderbare Meade ETX-70 ich glaube um 254 Euro oder so. Dieses Angebot ist ein klassisches Beispiel für meine Argumentation. Das GoTo funktioniert gar nicht schlecht. Man muss es aber zuerst mal zum Laufen bringen. Die Optik ist allerdings weniger vielversprechend und so ist in diesem Falle klar. Rund 200 Euro dürfte man in Elektronik investieren und nur 54 in das optischen System. Das ist kein gutes Angebot. Ich selbst besitze zwar auch eines und in späteren Beiträgen werde ich auch sicher noch darauf zurück kommen, aber ich hab das meine um Euro 50 am Gebrauchtmarkt erstanden und das halte ich wieder für ein extrem gutes Angebot. Ich hab es mir allerdings nicht zugelegt um einen Einstieg in das Hobby Astronomie hinzulegen, sondern um daran herumzubasteln…

(Aufgrund solcher Angebote sollte man nach Weihnachten auf der Lauer sein. Viele Menschen versuchen dann ihr geschenktes Teleskop wieder loszuwerden…)

Fazit: GoTo-Teleskope sind keine Einsteiger-Geräte, die Unterricht in Sachen Nachthimmel geben können. Billige GoTo-Systeme werden ohnehin nur unzureichend funktionieren und teure sind für den Einstieg sehr gewagt. Lass also besser die Finger davon. Und Vorsicht bei allzu großen Versprechungen!

Trash on!

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