Einnorden mit Kochab

Bisher war ja bereits oftmals die Rede vom „Einnorden“ und daher möchte ich kurz erklären wie das denn funktioniert. Ich habe mir deshalb die Kochab-Methode ausgewählt, weil sie einfach ist und auch für die gehoben Ansprüchen der Astrofotografie völlig ausreichend ist. Um deine Montierung einnorden zu können, muss sie im Wesentlichen zwei Voraussetzungen erfüllen. 1. Einnorden ist nur bei sogenannten äquatorialen Montierungen möglich. Diese können mittels eine Polhöhenwiege auf den Himmelsäquator ausgerichtet werden und somit Objekte, die sich scheinbar entlang dieses Himmelsäquators bewegen, manuell oder mittels Motoren nachführen. Sie verfügen über 2 Achsen. Einer Rektaszensions und einer Deklinationsachse. 2. Ein Polsucherfernrohr muss in die Montierung eingebaut sein.

meq3 (1 von 1)

Das ist eine EQ3. Mit solch einer Montierung ist Astrofotografie mit leichteren Röhrchen bereits möglich… Also los: Schritt 1: Stell deine Montierung so auf, dass sie gerade steht. Viele Montierungen verfügen über eine kleine, eingebaute Wasserwaage. Wenn keine eingebaut wurde, kann man diese vielleicht nachrüsten. Sonst muss man eben eine Dosenlibelle (kleine Wasserwaage) benützen, um die Montierung gerade aufzustellen. Dies kann man wie auch die folgenden Arbeitsschritte schon am Tag erledigen. Schritt 2: Norde deine Montierung mit einem Kompass ein. Bei dreibeinigen Stativen muss also der Vorderfuß nach Norden zeigen. Schritt 3: Stell schon mal deinen Breitengrad auf deiner Polhöhenwiege ein. (Bild) Dies sind die grundsätzlichen Vorbereitungen. Für kurze Beobachtungsnächte mögen sie sogar ausreichend sein, möchte man jedoch genauer arbeiten oder soll sogar eine Kamera ans System angeschlossen werden, gilt es auf die Dunkelheit zu warten. Belade deine Montierung noch nicht! Jedes Kilo, dass du oben drauf lädst, musst du später mit den kleinen Schräubchen der Polhöhenwiege durch die Gegend bewegen. Sicher wenn du ein kräftiges Bürschchen oder Dirndl bist, dann kannst du auch schon untertags raufpacken was geht. Es ist aber logischerweise auch für deine Polhöhenwiege nicht gut beim Einstellen unter großer Belastung zu stehen. Schritt 4: Polaris finden. Dazu musst du erst einmal den „Großen Waagen“ suchen. Er ist teil des Großen Bären und eine sehr markante Konstellation. Nun geht es daran die im Bild rot eingezeichnete Strecke 5x in ihre Verlaufsrichtung zu verlängern. Wenn du deine Hand ausstreckst und deine Faust zwischen die beiden Sterne legst,  dann wirst du bemerken, dass deine Faust in etwa die gleiche Länge hat wie die Strecke am Kasten des Wagens. Interessanterweise kommt es dabei nicht auf die Größe der Fäuste die du hast an…nimm also deine Faust als Maßeinheit und trage sie 5x ab. Damit müsste sich die Region in der sich Polaris befindet leicht finden lassen. Polaris ist der hellste Stern dort… Hier mal ein Bild dazu…

polarisfinder

Diesen Trick ist nicht nur beim Einnorden hilfreich. Auch bei der Orientierung in nächtlicher Wildnis kann es bei freiem Blick auf den Sternenhimmel gelingen sich zu orientieren. Schritt 5: Polaris ist also gefunden. Unser Hauptprotagonist hat die Bühne betreten. Ein wichtiger Nebendarsteller fehlt jedoch noch. Kochab ist wie auch Polaris ein Bestandteil des „Kleinen Wagens“. Polaris ist der hellste Stern der Konstellation, während Kochab der auffälligste des Wagenkastens ist. Nimm notfalls Sternenkarte oder Software zur Hand! Gib nicht auf! Wirst ihn schon finden den Kochab. Schritt 6: Wir nehmen also an du weißt jetzt wo sich Polaris und Kochab befinden. Nun musst du folgendes tun. Gedanklich oder mit den Händen oder was weiß ich wie projezierst du eine Uhr an den Himmel. Dabei soll Polaris der Mittelpunkt deiner Ziffernscheibe sein und Kochab die aktuelle Uhrzeit anzeigen, als wäre er der Stundenzeiger. Zum besseren Verständnis noch ein Bild: kochab methode

Auf der Uhr im Beispiel ist es somit 7 Uhr. Neben der Uhr befindet sich der Auszug eines typischen Polfinder-Fernrohrs. Bei der folgenden Übung ist es natürlich extrem hilfreich, wenn es auch noch beleuchtet werden kann. Wenn nicht musst du dir umständlich mit einer Taschenlampe aushelfen. Uhrenvergleich! Du bewegst die Montierung nun entlang der Rektaszensionsachse so, dass der kleine Kreis (oder was da auch immer ist) ,in dem Polaris sein soll, die vom Himmel abgelesene Uhrzeit anzeigt. Schritt 7: Nun justierst du mittels der im Bild gezeigten Schrauben das Fernrohr so, dass Polaris die richtige Uhrzeit im Polsucher anzeigt. justage Kopie

Und fertig! Hier noch zwei Tipps zum Abschluss. Kochab und Polaris sind schon kurz nach der Dämmerung sichtbar. Wenn du die angeführten Schritte mehrmals wiederholt hast, dann kennst du die Positionen der beiden Sterne auswendig. Damit hast du die Möglichkeit ohne die Hilfe des Große Wagens einzunorden. Damit bleibt dir mehr Zeit für Beobachtung oder Belichtung und der Himmel ist noch hell genug um ohne Beleuchtung des Polsuchers auszukommen. Wenn du einen Minidobson besitzt lohnt es sich Polaris und Kochab von Zeit zu Zeit aufzusuchen um ein eventuelles späteres Einnorden einer äquatorialen Montierung zu üben.

trash on!

5 Gedanken zu “Einnorden mit Kochab

  1. Diese Methode habe ich mir ebenfalls angewöhnt, sie funktioniert super, sie ist sehr schnell und unabhängig von Standort und Rechnerei mit Zeitkorrektur pp. praktizierbar. Eine Vixen GPD2 ist in weniger als fünf Minuten fotogerecht eingenordet. Nach drei Stunden stelle ich im Leitrohr genau null Deklinationsdrift fest, und ich frage mich, wozu ich überhaupt beide Achsen motorisiere.

    Ein Tipp zur Verbesserung und Vereinfachung: wenn man mit dem rechten Auge Polaris im Polsucher anvisiert, kann man gleichzeitig das linke Auge geöffnet halten. Die „Bildverarbeitung“ im Gehirn rechnet beide Bilder zusammen, das macht den „Zifferblatt“-Trick unnötig und ist nochmals genauer: man meint tatsächlich, den Anblick der Strichplatte im Polsucher an den Himmel projeziert zu sehen. Die Markierung, in die Polaris gestellt werden muss, wird dann mit der Stundenachse genau auf die Verbindungslinie zu Kochab gestellt. Dann die Achse wieder klemmen (bei eingeschaltetem Antrieb) und Polaris mit Höhe und Azimut ins Ziel bringen. Fertig.

    Viele Grüße,

    K. Schneider

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    • Vielen Dank für die Erweiterung meines Beitrags! Das mit den Augen und Gehirn ist denke ich so eine Sache…ich glaub nicht jeder ist da gleich talentiert. Ich habe sehr lange gebraucht um mit einem Suchfernrohr umgehen zu können und habe anfangs nur mit Leuchtpunktsucher etwas gefunden…bin eben wenig talentiert was das betrifft…für Fortgeschrittenen ist die von dir vorgeschlagene Variante aber vor allem wegen der höheren Genauigkeit die Bessere!…will ja nicht angeben aber den StarAdventurer schaff mich mit der Kochab-Methode unter 30sec 🙂

      Viele Grüße zurück!

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  2. Ja, das mit dem Einnorden ist schon manchmal eine Kunst. Diese Kochab-Methode kannte ich noch gar nicht, Muß ich doch glatt mal ausprobieren, wenn ich wieder fit bin (Knie-OP steht an)
    Edgar

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