Mein Flug ins All…

juri

In diesem Büchlein findet sich eine kurze Biographie des ersten Menschen im Weltall. Es wurde ursprünglich in russischer Sprache verfasst und dann für die Bürger der DDR übersetzt. Obwohl die Biographie in der Ich-Perspektive gehalten ist, glaube ich eigentlich nicht, dass sie wirklich aus der Feder von Juri Gagarin stammt.

Die Erzählung starten im zweiten Weltkrieg und beschreibt Juris Werdegang, seine Ausbildung zu Gießer, zum Piloten, seine Heirat, seinen Eintritt in die Partei, das Kosmonautentraining und schließlich den glorreichen Flug ins All.

Wer dieses Büchlein lesen möchte…muss es erstens ergattern…und zweitens massig Propaganda aushalten können…

Wie ja schon mein User-Name „Lunochod“ verrät, bin ich ein heimlicher Fan der russischen Raumfahrt. Sie scheint mir so roh und teilweise hoch riskant gewesen zu sein, dass sie mir irgendwie gefällt…das ist nichts ideologisches…mir ist natürlich mehr als bewusst, dass das Sowjet-System ein hoch unmenschliches war und dies hier ist gewiss kein Versuch Ostalgie zu propagieren…

(All zu oft wird die kommunistische Idee allerdings mit dem Sowjet-System gleich gesetzt. Dies ist glaube ich eine schlechte Entwicklung, da ich mir sicher bin, dass die Idee von der Gleichheit aller eine zu Wichtige ist um sie einfach vom Tisch zu wischen. Sie sollte unsere Gesellschaften zumindest beeinflussen…)

Zurück zum Büchlein…obwohl es zwei Themen im Gepäck hat, die mich interessieren (Raumfahrt und Geschichte) und obendrein nicht sehr dick ist, war es sehr schwierig auszuhalten das Buch fertig zu lesen. Selten habe ich so schlecht gemachte Propaganda erlebt. Auf den ersten 10 Seiten fand ich das noch witzig und interessant…aber es hörte nicht mehr auf. Keine Gelegenheit wird ausgelassen um entweder das sowjetische Volk oder dessen Führer oder das überlegene Wirtschaftssystem zu belobhudeln und beweihräuchern. Es ist ja gemeinhin bekannt, dass man in den sogenannten kommunistischen Staaten sehr darauf bedacht war, das Volk in sozialistischer Hinsicht um zu erziehen. Wie dieses Buch beweist, wurde dies aber viel zu weit getrieben. Niemand kann mir erzählen, dass einer der soeben als erster Mensch ins All geschossen wurde, freien Blick auf die Erde hat und Schwerelosigkeit erlebt, über Arbeiteraufstände, Revolutionen und die glorreiche sowjetische Führung nachdenkt. Ein klein wenig subtiler hätte man das schon machen können. Im gesamten Buch würde es meiner Ansicht nach reichen 1-2 mal etwas einzubauen, dass sich auf den Sozialismus bezieht und die Sache hätte, denke ich, funktioniert…

Letztendlich war die Lektüre mehr ein Selbsterfahrungstrip als eine Biographie. Es wurde ein Hauch davon spürbar, wie es wohl gewesen war…das politische Leben in den ehemaligen sozialistischen Staaten. Wie ja schon erwähnt, habe ich mich an einem gewissen Punkt gezwungen durchzuhalten und weiterzulesen. Mit ein wenig Hintergrundwissen waren machen Passagen auch interessant. Die Amerikaner hatten in bei Weltraumprogramm von Braun an der Spitze…haben sie bekanntermaßen von den Nazis übernommen den Mann…die Russen hatten Hr. Koroljow. Seine Identität wurde allerdings bis zu seinem Ableben geheim gehalten, um ihn vor Attentaten zu schützen. Im Buch wird dieser von Juri daher immer nur als Chefkonstrukteur bezeichnet. Vielleicht war es auch angenehm seine Identität zu verschleiern, weil er vom Gulag-Insassen zum Chefkonstrukteur wurde und man dies gegenüber dem russischen Volk wohl kaum zugeben wollte.

Trotz solcher erhellenden Abschnitte…ein scheußliches Buch…

Jemandem der eine Juri Gagarin Biographie sucht, dem sei dringend abgeraten…

Wer ein historisches Dokument bezüglich Propaganda betrachten möchte…für den könnte es allerdings etwas sein…

trash on!

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