Das TS 20×80 Triblett…

Durch das Aufrüsten in Sachen Astrofotografie, ist das Aufbauen meiner Ausrüstung schon zu einer kleinen Wissenschaft geworden und so habe ich oft keine Lust mehr auch am Nebenrohr noch Fotos zu schießen. Eine weitere Kamera, Netzteile, eine eingenordete Montierung…das wird dann alles viel zu viel an Zeugs und Aufwand. (vor allem in den sehr kurzen Nächten dieser Tage)…. trotzdem sollte klarer Himmel in unseren Breiten optimal ausgenützt werden. Wer weiß schon, wann die nächste Gelegenheit an die Tür klopft?

Was ist nun aber eine einfache, bequeme und möglichts nervenschonende Variante der Beobachtung?

Ich musste sofort an das Gucki denken:

https://trashholeobservatory.wordpress.com/2015/10/06/kleine-fernglaeser/

Ja…das Gucki hat alles was ich mir unter bequem vorstelle. Keine Montierung, raus aus der Hülle, Schutzkappen runter und los. Wunderbar mit einem Liegestuhl kombinierbar und top für jede Reise…das Problem: es vergrößer nur 2,3 fach…für das Beobachten im weiten Feld super, für das Aufsuchen einzelner Objekte weniger geeignet.

Da ich durch das Gucki irgendwie Gefallen am beidäugigen Einblick in die Optik gefunden habe, wollte ich nun ein weiters Fernglas mit großem Vergrößerungsfaktor testen.

Es sollte nicht übertrieben teuer sein und trotzdem Beobachtungsgenuss bringen…meine Wahl fiel daher auf das TS 20×80 Triblett.

Ein kurzes Wort zu den Zahlen, die üblicherweise bei Ferngläsern angegeben werden: Die erste Zahl (in diesem Fall 20) gibt den Vergrößerungsfaktor an, die zweite Zahl die Öffnung. Je größer die Öffnung, desto lichtstärker der Fernglas.

Ein 20×80 ist daher schon ein sogenanntes Großfernglas. Das TS2080T wiegt 2,4kg und das ist bei 20x Vergrößerung zu viel, um es am Sternenhimmel aus freier Hand sinvoll einsetzen zu können. Ohne Montierung geht es also nicht. Laut den Werbeseiten im Internet reicht ein gutes Fotostativ.

Nun ist aber Werbung eben Werbung und Vernunft Vernunft. Wenn man genauer über das Problem Fernglas und Montierung nachdenkt, dann kommt man schnell darauf, dass ein Fotostativ für horizontnahe Beobachtungen (oder knapp darüber) vielleicht einigermaßen bequem ist. Durch den geraden Einblick, der bei Ferngläsern üblich ist, sieht es im Zenit jedoch gänzlich anders aus. Da holst du dir die Genickstarre!

Somit gibt es 2 Möglichkeiten: Ein Fernglas mit 45° oder 90° Einblick kaufen…das wird jedoch teuer…oder sich eine Bino-Mount zulegen… http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p3882_Orion-Paragon-Plus-Binomount—Montierung-fuer-Fernglaeser.html …auch nicht gerade billig…

Nun wollte ich jedoch beim ungefähren Preis von 200 Euro bleiben und erst mal keine Bino-Mount anschaffen. Es soll ja maximal bequem werden und hier ist schwer zu sagen, ob die Bino-Mount hält was sie verspricht. Vielleicht ist mit einem Großfernglas ebenfalls eine Liegestuhl- Variante Möglich? Am idealsten wäre vielleicht ein alter Zahnarztsessel…würde aber vom Aufbauen her wieder sehr viel Aufwand bedeuten 🙂

Nach ein paar Tagen des Nachdenkens hatte ich folgenden Plan: Ich bestelle das Fernglas und schustere mir selbst eine Bino-Mount zusammen um das Fernglas mal zu testen und auszuloten, ob sich der weiterer Aufwand lohnen würde.

TS2080T (1 von 1)

So sieht die fertige aber nur provisorische (das ist mir sehr wichtig anzumerken :)) Bino-Mount aus. Im wesentlichen kommte ein Holzbrett, ein Fotostativ, ein Kugelkopf und ein Gegengewicht zum Einsatz. Zum Aufsuchen der Objekte habe ich auch noch einen Leuchtpunktsucher montiert…

So!

Nun aber endlich zum TS2080T-Semi Apo:

Am besten ist es wohl die beobachteten Objekte durchzugehen:

Am Tag: Hier relativiert sich der Begriff vom Semi-Apo sofort. Ich kenne leider kein anderes Fernglas in dieser Größenordnung und daher kann ich nicht beurteilen, wie der Farbfehler bei einem solchen Glas ohne Korrektur aussehen würde. Fakt ist aber, dass der Farbfehler ganz klar erkennbar ist. Dies ist bei meinen Apo-Teleskopen nicht der Fall! Der Farbfehler hält sich jedoch soweit in Grenzen, dass er die Beobachtung bei Tage nicht großartig stört.

Der Mond: Der leichte Farbfehler ist auch hier deutlich erkennbar…ABER! der Mond kommt durch das Glas wirklich cool…meine Tochter hat ihn auch schon mehrmals im Teleskop beobachtet…der Blick durchs Fernglas setzte jedoch ein sofortiges „Wow“ frei und da war noch nicht einmal gänzlich scharf gestellt. Zweifelsohne liegt dies auch daran, dass es Kindern einfach leichter fällt mit beiden Augen beobachten zu können und nicht lästigerweise ein Auge zuhalten zu müssen…

Jupiter: Hier kam ich zu keiner sinnvollen Beobachtung. Ein hässlicher Farbfehler wird sichtbar und das Bild wirkt dadurch sogar leicht verzerrt.

Saturn: Bessser. Er ist als Scheibchen erkennbar…

Mars: (um Opposition) okay…nicht überragend….

M13: Hier kommt eindeutig Sinn in die Sache. M13 sieht schön aus und im DeepSky-Berich funktioniert die Korrektur des Farbfehlers eindeutig besser. Wenn ich mir hier eine kleine Faustregel erlauben darf: bei besonders lichtstarken Objekten tritt der Farbfehler wesentlich stärker hervor…eh logisch oder?

Im Schwan: Sehr schöne Tour durch den Schwan…das Glas funktioniert, wie es soll…

Großer Bär: M81 und M82 sind schwach erkennbar…die anderen Galaxien im Bären kann ich nicht sehen…hier ist aber auch der leicht aufgehellte Stadtrandhimmel ein Problem…

So…das war es für den Moment…

Ich weiß noch nicht genau, was ich von dem Glas denke. Auf der Verkaufspage:

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p1421_TS-20-x-80-Porro-Gro-fernglas—Triplet-Semi-APO—mit-Stativadapter.html

sind weitere interessante Tests zu finden. Meiner Meinung nach kommt das Glas hier aber entwas zu gut weg. Für den Preis ist es sicher okay…interessant wäre der Vergleich mit dem TS2080LE (geliches Glas ohen Farbkorrektur um Euro 149 statt 229)

Zusätlich gibt es auch noch diese Variante:

http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p4307_20-x-80-Porro-Fernglas—mit-einschwenkbaren-UHC-Nebelfiltern.html

Sie verfügt über einschwenkbare Nebelfilter. Allerdings! Bei Nebelfiltern gibt es auch Unterschiede. Beim vorliegenden Modell handelt es sich um sogenannte UHC-Filter…diese erhöhen zwar den Kontrast…sind aber nicht mit H-alpha-Filtern vergleichbar…mir war dieses Extra dem Preisunterschied nicht wert…

Sehr positiv ist zu bemerken, dass das TS2028T bereits über einen Fotostativ-Adapter verfügt…was jedoch supertauge gewesen wäre: man hätte noch eine Art Sucherschuh mitanbringen können…für Leuchtpunktsucher oder Suchfernrohr…zukaufbare Fotostativ Adapter verfügen über so etwas…

Zur Montierung:

Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich nun eine Bino-Mount anschaffe oder eine Liegestuhl Variante zusammenbastle…ich habe auch schon damit geliebäugelt mir eine Bino-Mount aus Holz zu bauen. Da das Ding jedoch bombenfest stehen muss, um Beobachtungsspaß zu garantieren, bin ich ein wenig unsicher, ob ich so etwas auch zusammenbekomme…der König der Heimwerker bin ich ja nicht gerade…

Momentan macht es Freude an dem Projekt herumzudenken und somit war dies wohl nicht der letzte Eintrag zum Thema TS2080T…ein paar Nächte wird die provisoriche Montierung noch mitmachen…dann muss eine andere Lösung her!

trash on!

 

 

3 Gedanken zu “Das TS 20×80 Triblett…

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