Barndoor und die Magie, die aus dem Holzbrett kam…

Wieder einmal steht der Sommer und damit für viele die Zeit des Reisens vor der Tür. Nicht überall ist der Himmel so lichtverschmutzt wie in unseren Breiten und so dämmert manchen Urlauber, dass der Blick in den Himmel eine sehr beeindruckendes Erlebnis sein kann…

Nun möchte so mancher diesen Anblick vielleicht festhalten und schon wird die Kamera gezückt. Die Ernüchterung folgt zugleich. Damit das Foto dem visuellen Anblick gerecht wird, muss mindestens eine Minute lang belichtet werden und beim Blick auf das fertige Bild kommt Enttäuschung auf…die Sterne sind zu kurzen Strichen geworden…

Warum ist das so?

Der Grund dafür ist sehr einfach: Wenn wir unsere Sonne über einen gewissen Zeitraum hinweg beobachten, scheint sie sich über den Himmel zu bewegen. Wie wir ja wissen, ist es in Wahrheit aber nicht die Sonne*, die sich bewegt, sondern die Erde. Da Sterne nichts anders als sehr weit entfernte Sonnen sind, ist es mit ihnen ganz genauso…sie bewegen sich ständig über den Himmel.

*Sonne und Sterne bewegen sich eigentlich auch…das gesamte Universum ist in Bewegung…allerdings ist dies von unserem Standort und mit unseren Sinnesorganen weniger gut auszumachen und so auch für die Fotografie kein Problem.

Der Effekt der Strichspuren lässt sich natürlich auch fotografisch Ausnutzen. Hier ein Beispiel aus dem letzten Jahr:

trail1 (1 von 1)

Jeder Strich der zu sehen ist, stammt von einem bestimmten Stern am Himmel. Der kleine helle Bogen in der Mitte der Kreise ist Polaris (der Nordstern) In der gleichen Zeit, in der sich die Sterne weiter außen über eine lange Strecke hinweg bewegt haben, ist Polaris nicht sehr weit gekommen. Das ist deshalb so, weil Polaris ungefähr auf der gedachten Verlängerung der Erdachse liegt und da sich die Erde entlang dieser Achse dreht, steht Polaris im Vergleich zu Sternen, die weiter außen liegen, verhältnismäßig still.

Genau diesen Umstand nutzen Astrofotografen beim Erzeugen von Bildern mit punktförmigen Sternen. Dabei gilt: Je länger die Brennweite der Optik, desto genauer muss die Nachführung sein. Wenn man beispielsweise durch ein Teleskop mit 1000mm Brennweite fotografieren möchte, wird man also etwas Geld investieren müssen…

Hier soll es aber darum gehen, wie man möglichst einfach und auch kostengünstig Fotos vom Sternenhimmel über seinem Urlaubsort machen kann…

Letztes Jahr um ca. diese Zeit habe ich dazu einen Beitrag über 2 Reise-Asto-Montierungen geschrieben:

https://trashholeobservatory.wordpress.com/2015/06/18/staradventurer-vs-vixen-polarie/

Beide sind gute und noch erschwingliche Möglichkeiten ein solches Vorhaben umzusetzen…trotzdem 400 Euro sind auch nicht nichts und wenn es nur um 1-2 Schnappschüsse geht, ist das für die meisten Leuten zu viel…

Nun also die wirklich günstige Selbstbau-Variante:

Die sogenannte Barndoor-Montierung:

Was man bereits besitzen sollte ist eine Kamera (eh klar…) ein stabiles Stativ mit Neigekopf und einen Fernauslöser.

Was man zum Basteln braucht:

Einen Kugelkopf…nicht zu billig…muss aber auch nicht ganz teuer sein…(Gewicht das er halten kann mit dem Kameragewicht vergleichen)

Zwei gleich große Holzbretter

Ein Scharnier

Ein kleines Röhrchen

Ein paar Schrauben um die einzelnen Dinge aneinander zu befestigen

Hier mal ein Bild der fertigen Barndoor Montierung:

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Die Technik ist also einfach! Das Scharnier zeigt auf Polaris und durch das Schrauben an der Schraube wird die Erdrotation ausgeglichen. Der Neigekopf des Statives dient also als sogenannte Polhöhenwiege.

Doch langsam!

Im Wesentlichen schraubt man also ein Scharnier an 2 Holplatten. Wichtig ist aber, dass dies genau so, wie auf diesem Bild geschieht. Ist das Scharnier auf der falschen Seite angebracht, verstärkt man den Strichspur-Effekt nur weiter. Eigentlich doch egal…man braucht das Brett dann nur umzudrehen…stimmt schon…aber nur so lange bis das Polsucher-Röhrchen montiert ist. Mir war wichtig, dass das Rohr aus der Blickrichtung vor dem Scharnier liegt…würde ich das Brett umdrehen, wäre das nicht mehr so…

Das untere Brett: Ein Loch für die Schraube wird gebohrt und eine passende Mutter wird als Gewinde in dem Loch oder über dem Loch befestigt. Danach muss irgendetwas, dass auf den Stativkopf passt befestig werden. Ich habe dafür einen Teil von einem alten Teleskop genommen. Hier hängt es ein wenig davon ab, was man zur Verfügung hat. Das Gewinde, das auf ein Stativ passt, befindet sich auf der Unterseite der meisten Kameras. Wenn man also eine alte kaputte Kamera hat…

…wichtig ist allerdings, dass nichts wackelt…

Das obere Brett: Hier wird der Kugelkopf angebracht…

Jetzt kommt das Scharnier…

Und dann wird das kleine Röhrchen montiert…hab ich einfach angeschraubt…

und fertig!

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Was aber nun?

Ich rate an das folgende nicht erst am Urlaubsort sondern schon zuvor auszuprobieren:

Wie wir ja schon wissen, soll das Scharnier auf Polaris zeigen. Das ist auch der Grund für das Röhrchen. Man stellt Polaris eben so ein, dass er im Röhrchen zu sehen ist. (Daher sollte das Rohr so liegen, dass es nicht weit weg vom Scharnier und parallel oder auf der gleichen Achse, wie dieses liegt)

Ist dies der Fall, so ist die Montierung eingenordet und bereit zum Fotografieren. Das Stativ und das unter Brett werden nun nicht mehr bewegt. Der obere Kugelkopf macht das Himmelsareal, das man fotografieren möchte, trotzdem frei wählbar. Mittels der Schraube wird nun manuell nachgeführt.

Wie findet man aber Polaris?

Zuerst sucht man in Richtung Norden den Großen Wagen…

polarisfinder

Danach verlängert man die rot markierte Kante 5x…dies geht sehr gut indem man den Arm ausstreckt und 5x die Länge der eigenen Faust abträgt. Durch den Umstand, dass die Länge der Faust und des Armes bei den meisten Leuten in einem ähnlichen Verhältnis stehen, funktioniert dies mit fast allen Armen und Fäusten…nun Polaris im Röhrchen einstellen und los…

99 sec x (1 von 1)

Dieses Testbild habe ich bei 17mm Brennweite 99 Sekunden lang belichtet. Wie man sieht, sind die Sterne noch Punkte…

Was zu beachten ist:

Ich habe meine Barndoor ohne genauere Vorüberlegungen gebaut und somit auch nicht groß den Rechenstift gezückt. Am Sternenhimmel wurde dann durch Probieren herausgefunden in welcher Zeit ich die Schraube wie weit drehen muss. Die Daten meiner Schraube möchte ich hier nicht anführen, weil ich sie eigentlich nicht für optimal halte. Im Internet finden sich jedoch einige sehr genaue angaben. Meine Montierung habe ich gebaut, um mir die genaue Funktionsweise der Barndoor bewusst zu machen…als nächstes möchte ich nämlich eine möglichst genaue und in weiterer Folge eine motorisierte Montierung zum leichten Nachbauen zusammenzimmern…mal schaun… 🙂

Eine sehr genaue Barndoor führt angeblich über viele Minuten und sogar bei Brennweiten bis zu 150mm nach. Das ist bei „ungenaueren“ Varianten nicht der Fall. Diese funktionieren bis zu Brennweiten von 50mm. Die schönsten Milchstraßenaufnahmen entstehen aber ohnehin mit Weitwinkelobjektiven…daher ist das nicht weiter schlimm…

Um die Schraube in korrektem Intervall zu drehen, braucht es einen Zeitmesser (Uhr oder Kamera) und etwas Feingefühl und Übung…

Zur Kameraeinstellung: Die Blende so weit wie möglich auf und den ISO Wert so hoch als möglich-aber auf das Rauschen achten. Ist natürlich stark vom Kameramodell abhängig. Bei neuen Modellen kann ISO1600 ganz okay sein…bei den älteren ist ISO 800 oder gar 400 zu bevorzugen…

trash on!

 

4 Gedanken zu “Barndoor und die Magie, die aus dem Holzbrett kam…

    • and u know how to motivate others…and u do it whenever u can…and u know also a lot of nature…i’m sorry that i don’t understand your language but i like your pictures…in some sense we are doing the same thing…we are showing the nature to the people…thanks a lot and have i nice day!

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