Do it with your heart!

Zweifelsfrei ist die Astrofotografie eine hoch technische und wohl auch sehr komplizierte Angelegenheit. Will man Galaxien und Nebel ordentlich und ohne störendes Bildrauschen abbilden, muss man schon einiges an Geduld und wohl auch Geld investieren.

Heute möchte ich jedoch zeigen, dass man auch ohne spezifische Astroausrüstung  feine Bilder mit Anspruch zaubern kann. Dazu bespreche ich einige Fotos dieser Bloggerin:

http://www.paleica.net

Sie versteht sich nicht nur als Fotografin, sondern strickt ihren Blog mittels  einer Kombination aus Bildern und persönlichen Gedanken. Was ich an ihrem Tun sehr schätze, ist die Kombination aus Talent und wohlgemeinter Ehrlichkeit…

Bevor wir uns nun aber gleich die Bilder ansehen, noch ein paar einleitende Worte:

Seit Anbeginn der Astrofotografie hat die Kombination Vordergrundmotiv + Sternenhimmel immer einen besonderen Reiz für Fotografen ausgemacht und  bedeutende Bewegungen, wie z.B. die TWAN-Fotografie finden in diesem Umstand ihre Wurzeln.

http://www.twanight.org/newTWAN/galleries_page.asp

Was macht aber den besonderen Reiz dieser Art von Fotografie aus?

Nun…ich denke es gibt eine große und eine kleine Antwort auf diese Frage…

…zuerst die kleine :

Beim Betrachten solcher Bilder kann man neben einem meist wunderbaren Sternenhimmel auch einen kurzen und flüchtigen Blick hinter die Entstehung der Fotos erhaschen. Die eigene Fantasie spielt dabei oft keine geringe Rolle und vor dem inneren Auge erträumt man sich bärtige Männer (natürlich können es auch bärtige Frauen sein…) mit Astroausrüstung auf Berggipfel steigend und der Witterung trotzend…auf der Suche nach dem unmittelbaren Naturerlebnis. Kurzum…der Fotograf und damit der Mensch hinter dem Bild tritt ein wenig mehr in den Vordergrund, als dies z.B. bei Deep-Sky-Aufnahmen der Fall ist und es wird eine Geschichte hinter dem Foto erahnbar.

…nun die große:

Terrestrische Motive wie Berge, Städte, historische Gebäude usw. setzen die Erde oder oft gar den Menschen selbst in ein Verhältnis zum Sternenhimmel. Einerseits wird durch diese Art der Motivwahl unmittelbar und intuitiv klar, dass die Erde ein Teil unseres Kosmos ist und er deshalb nicht fern von uns existiert, sondern wir direkt in ihm leben und aus ihm geboren werden. Durch die Tatsache, dass die Sterne und der Himmel aber auch Projektionsflächen unserer Wünsche und Träume sind, gewinnt diese Einsicht bei den meisten Menschen noch eine subjektive Färbung. Bei manch einem fällt sie religiös bei einem anderen vielleicht wissenschaftlich aus. Die Gründer der TWAN-Fotografie sahen ihr Tun sehr stark als Friedensbewegung,  frei nach dem Motto „Ein Sternenhimmel eine Menschheit“  und es wäre mir mehr als recht, wenn jedes einzelne Astrobild tatsächlich dabei mithelfen könnte eben dieses Bewusstsein zu schärfen. Ich meine der Kosmos ist groß, kalt, fremd, ungerecht und unbarmherzig…wenn auch vielleicht auch wunderschön…alles Gründe dafür näher zusammen zu rücken…

Dies scheint mir nun die passende Stelle zu sein, um der Künstlerin selbst das Wort zu erteilen:

„Die Entscheidung, sich mit Astrofotografie oder „Bilder vom Sternenhimmel“ auseinanderzusetzen, kann man vielleicht auf zwei verschiedene Beweggründe zurückführen: – zum Einen aus Faszination für die Technik, die uns dies ermöglicht, vielleicht gepaart mit dem Wunsch, das Unbegreifliche etwas greifbarer zu machen – zum Anderen aus Faszination für die Schönheit und die Magie, die sich uns offenbart, wenn wir den Nachthimmel auf uns wirken lassen

Meine Motivation kommt definitiv aus der zweiten Ecke. Die Technik ist für mich nur Mittel zum Zweck und nicht Inhalt meines Interesses. Der Himmel birgt alle Geheimnisse, die die Menschen (noch) nicht verstehen können, er ist gefühlt etwas wie das letzte Mysterium, die letzte Richtung, in die wir schauen können, um Fragen zu stellen ohne Antworten zu erhalten. Jedes Bild, das ich vom Sternenhimmel mache, erinnert mich an einen Moment der Ambivalenz, in dem ich einerseits innerlich ganz ruhig und gleichzeitig aufgewühlt war wie ein Kind, weil ich etwas so Schönes sah, das ich nie werde verstehen können – und das zugleich ein Abbild einer Zeit zeigt, die lange vorbei ist.“

Was macht die nun folgenden Bilder aber auch aus technischer Sicht besonders?

Ganz einfach! Sie wurden ohne spezifische astronomische Hilfsmittel aufgenommen. Normalerweise wird bei länger belichtete Aufnahmen die Kamera ja nachgeführt, damit die Sterne nicht zu Strichen werden. (dies geschieht ohne Nachführung  durch die Eigenrotation der Erde) Für eine Nachführung einer handelsüblichen Spiegelreflexkamera fallen da schon mal Kosten im 400 Euro-Bereich  an und so schrecken viele Leute, die nur gelegentlich Sterne mit in ihre Fotografie einbeziehen möchten oft  vor der Himmelsfotografie zurück. Das finde ich sehr schade, denn gerade Menschen die viel reisen, haben vermehrt Gelegenheit einen wenig lichtverschmutzten Himmel vorzufinden und eventuell auch ein interessantes Vordergrundmotiv miteinzubeziehen…

Die folgenden Aufnahmen sind mit der Grundausstattung des Fotografen (Kamera, Stativ und Fernauslöser) verwirklicht worden:

blog_c3b6sterreich-tour_grossglockner-nacht2

Der Großglockner in seiner nächtlichen Pracht…der ganz helle Stern ist eigentlich kein Stern sondern der Jupiter…

blog_lienz1411-5

Ein wunderbares Bild aus Osttirol…die Lichter der Stadt treffen auf den Sternenhimmel…auch die Berge verfehlen ihre Wirkung nicht…

blog_sternenhimmel-amphitheater3

Obwohl nur wenige Sterne zu sehen sind geben sie den alten Gemäuer eine bestimmte Note…

blog_lienz1411-61

Hier sind die Sterne zwar schon zu Strichen geworden…dafür sind aber erste Deep-Sky-Objekte auszumachen…wie das folgende Bild zeigt:

suchbild-1blog_lienz1411-4

Startrails und Berge…

blog_c3b6sterreich-tour_grossglockner-nacht3

Und noch einmal der große Jupiter vom hohen Glockner aus…

Ich hoffe die Bilder gefallen!

Fortsetzung folgt…

trash on und CS!

 

 

12 Gedanken zu “Do it with your heart!

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