Finger weg vom Teleskop aus dem Spielzeuggeschäft!

Nun ist es wieder einmal so weit. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und bei so manchen Kindern wird, wie zu Weihnachten sehr beliebt, ein kleines Teleskop aus dem Spielzeuggeschäft unter dem Weihnachtsbaum liegen…

Schöne bunte Bilder zieren die Verpackungen in den Regalen und es sind Begleittexte wie dieser hier zu finden:

„Entdecke alle Sterne mit dem tollen 114mm Refraktor Teleskop von XXXX. Jeder kleine Hobby-Astronom wird sich unheimlich über dieses tolle 114mm Spiegelteleskop freuen und damit stundenlang fasziniert den Himmel erforschen. Das höhenverstellbare Stativ ermöglicht es dir, das Teleskop bequem auf deine Größe einzustellen.“

Bei diesem Angebot fällt sofort negativ auf, dass keine Brennweite angegeben wird…so ist es schon mal schwer, ein solches Teleskop zu beurteilen. Ich gehe aber davon aus, dass es bei 114mm Öffnung 500mm Brennweite haben wird. Daraus ergibt sich eine Öffnungsverhältnis von ca. f4. In Kombination mit dem mitgelieferten Leuchtpunktsucher könnte das Paket funktionieren. Das Problem ist aber, dass die Montierung viel zu schwach bemessen ist und ein Beobachten dadurch kaum möglich sein wird…

Da dies mit Abstand das beste Teleskop ist, dass ich im Spielzeugfachhandel finden konnte (die meisten anderen bewegen sich zwischen f12 und f14), lässt sich ohne schlechtes Gewissen folgendes formulieren: Finger weg vom Spielzeug-Teleskop, denn der Frust ist vorprogrammiert…im Teleskopfachhandel kommt man zwar unter 100 Euro nicht so leicht weg, im 150-200 Euro Bereich sind aber bereits sinnvolle Gerätschaften zu finden.

Dabei ist es wichtig, dass die Montierung das Teleskop auch ordentlich trägt. Dafür gilt grundsätzlich: Je schwerer das Teleskop ist und je höher die Brennweite desto stabiler sollte die Montierung sein…kennt man sich nicht so gut aus, kann man bestimmte Sets auch einfach im Netz suchen…die Astro-Leute haben fast zu allem was so erhältlich ist eine Meinung…

Der nächste Punkt ist die Brennweite. Es mag zwar gut klingen, wenn gesagt wir man könne über 400x vergrößern… (dies stimmt sowieso meist nicht weil die Teleskope dafür zu wenig lichtstark sind…) …für einen Anfänger ist es jedoch nicht leicht mit hohen Brennweiten umzugehen. Je größer die Brennweite desto schwieriger sind die Objekte aufzufinden…aus meiner Sicht reichen für den Anfang 300-500mm vollkommen aus…

Ein weiterer Faktor ist auch das Material…diese Plastikbomber halten es garantiert nicht lange durch…

Doch nun zu meinem Hauptkritikpunkt: Im Begleittext oben wird das Kind als Hobbyastronom bezeichnet, stundenlang in den Himmel blickend. Nun Hobby-Astronom wird man auch nicht einfach durch den Erwerb eines Teleskops. Das Auffinden und Sehen der Objekte muss geübt werden und ist anfangs gar nicht einfach. Eltern sollen hier wohl zu der Vorstellung gebracht werden, dass man das Teleskop einfach über den Sternenhimmel gleiten lässt und dann schon interessante Objekte entdecken wird…diese Annahme liegt aber sehr weit weg von der Realität…

Daher ist es aus meiner Sicht sehr sinnvoll die Kinder zu begleiten. Wenn man dazu selbst nicht in der Lage ist, kann man sich vielleicht in der Verwandtschaft oder bei den Nachbarn umhören. Eventuell werden auch an Sternwarten oder Planetarien Kurse angeboten. Man sollte sich nicht scheuen zu fragen…denn wenn ich jetzt mal von mir selbst ausgehen darf: Ich würde mich über jede Anfrage in diese Richtung freuen (und ich glaube so ticken die meisten Hobby-Astronomen)

Fragen dürfen natürlich gerne gestellt werden. Ich bin auch bereit komplette Angebote aus meiner Sicht zu beurteilen…

trash on!

Hier sind ein paar reht gute Tipps zum Kauf von Teleskopen für Kinder zu finden:

https://astrozwerge.wordpress.com/2012/12/02/ein-eigenes-teleskop-fur-den-astrozwerg/

7 Gedanken zu “Finger weg vom Teleskop aus dem Spielzeuggeschäft!

  1. Das kann ich so gut nachvollziehen, smile … die schönen bunten Bildern auf der Schachtel, grins 🙂
    Nachdem ich auch auf zwei Teleskope reingefallen war, … vor 25 Jahren war das noch nicht so mit Infos im Internet, baute ich mir aus BW Teilen einen Semi APO Feldstecher und gleich die dazugehörige Halterung, so mit Wechselokularen.
    Also, ich finde es gibt auch sehr gute selbstbaualternativen inzwischen und es macht Spaß!

    LG Alois

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    • da gratuliere ich dir zum selbstbau…alles was ich bisher in diese Richtung erreicht habe ist nicht der Erwähnung wert…bin eben nicht gerade der begnadetste Handwerker…ich glaube mein bevorzugtes Arbeitsmittel ist Klebeband…sag mal möchtest du deinen semi APO vielleicht mal auf meiner seite vorstellen? wenn du keine lust hast, bin ich natürlich auch nicht beleidigt!

      Gefällt 1 Person

      • Danke und guten Morgen, Ist schon lange her, inzwischen habe ich es verkauft für einen 12 Zöller Dobson, aber aus gesundheitlichen Gründen habe ich nur noch ein Großfernglas.

        Momentan aktualisiere ich meinen Blog und wenn ich auf Fotos stoße werde ich die eh bloggen, dann kannst ja mal reinschauen! 🙂 🙂

        LG Alois

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  2. Es ist auch fast erschreckend, wie viele dieser Teile dann wieder in der Bucht landen … „fast unbenutzt“ „sehr guter Zustand mit Originalverpackung“ „quasi wie neu,da es in vielem Spielzeug unter ging“ … einfach schade drum.
    Bei mir im Blog gibt es auch einen etwas älteren Artikel zum Thema „Welches Teleskop schenken“
    Also erstmal überlegen was das Kind wirklich will und es dann richtig machen …
    Schönen Sonntag noch!

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