76/300 minidobson

Füttere doch mal deine Suchmaschine mit folgendem Suchbegriff: „76/300″

Mit großer Wahrscheinlichkeit hast du nun eine Ansammlung von verschiedenen Webseiten, die dir ein kleines Dobson Teleskop mit 76mm Öffnung und 300mm Brennweite andrehen wollen, vor dir.

Mein erstes Teleskop bekam ich durch ein Tauschgeschäft mit meinem Schwager. Ich gab ihm einen alten E-Bass und er mir dafür einen ausrangierten Skywatcher-Refraktor auf einer EQ3-Montierung.

Da stand es nun. Das Fernrohr. Und als ich es im Abendlicht betrachtete schoss ein Impuls durch meine Gehirnwindungen. So etwas wollte ich seit ich ein kleiner Junge war. Welch ein Glücksfall es jetzt endlich zu besitzen.

Und die Nacht begann…und der Frust kam…und der Frust blieb…

Ich besaß nun ein Teleskop und auch eine Sternenkarte hatte ich mir zugelegt. Doch finden konnte ich nichts. Rein gar nichts. Nach der fünften Nacht ohne Erfolg und den durch meine unsachgemäße Behandlung entstandenen Schaden an der Montierung, gab ich endlich auf und fast 2 Jahre sollten vergehe bis ich mich zu einem erneuten Versuch hinreißen ließ.

Diesmal versuchte ich es mit einem anderen Instrument. Einen 76/300 Dobson und das bereue ich bis heute nicht…

Was sind die Probleme des Anfängers?

1. Er hat keine Ahnung vom Sternenhimmel

2. Er hat keine Ahnung vom Teleskop

3. Er hat keine Ahnung von der Montierung

Also was nun?

Erst mal auf den Sternenhimmel konzentrieren!

Für den Anfang ist es wichtig eine einfach zu bedienende Montierung zur Verfügung zu haben und was könnte einfacher sein als eine Dobson Montierung. Sie wurde von John Dobson erfunden, der eigentlich Mönch war, aber sich immer mehr von der Astronomie angezogen fühlte. Er stellte die meisten seine Teleskope selbst her. Der Legende nach fertigte er sogar aus alten Flaschen Teleskopspiegel und mit seine Dobson Montierung öffnete er für Leute mit schmaler Geldbörse eine Pforte zur Astronomie. John Dobson ist leider im heurigen Jahr verstorben. Hier ein Link zur Erinnerung:

http://de.wikipedia.org/wiki/John_Dobson:

Nun zu den Vorteilen einer Dobson Montierung:

-Einfachste Bedienung

-Kein Ausrichtung auf Polaris oder nach Norden mit Kompass notwendig

-Plug and Play!

-Bei weitem kostengünstigste Variante einer Montierung

Demgegenüber steht nur ein einziger aber entscheidender Nachteil:

-Es ist keine Nachführung möglich

Damit kann die Erdrotation nur händisch ausgeglichen werden und bis auf wenige Ausnahmen ist Astrofotografie unmöglich.

Für den Anfang ist keine große Brennweite ratsam. Je höher die Brennweite des Teleskops nämlich ist, desto schwieriger ist es damit Objekte aufzufinden. In einem späteren Beitrag werde ich einige Formeln anführen, die bei der Anschaffung größerer Teleskope sinnvoll sind, im Augenblick möchte ich mich jedoch mit einer Kaufempfehlung für einen solchen kleinen Dobson begnügen:

Wenn du noch kein Teleskop besitz und herausfinden möchtest, ob das Hobby Astronomie etwas für dich ist, dann fange erst mal klein an. Das wird dich weniger unter Druck setzten und das notwendige Ausmaß an Technik auf ein Minimum reduzieren. Wenn du dich nach einiger Übung zum Kauf eines größeren Teleskops entscheiden solltest, kannst du den kleinen Dobson entweder zur Bastelware erklären, ihn als Erinnerungsstück an deine ersten Schritte aufbewahren oder ihn für den gelegentlich spontanen Blick in den Himmel nutzen. Du magst sagen:“Das ist ja ein Kinderspielzeug.“ Ja so ist es auch. Aber es ist ja gerade die kindliche Neugierde, die wir mit Hilfe der Sterne zurückerbitten wollen und dafür ist das genau das richtig Instrument.

Also. Hier die Grundausstattung deines ersten eigenen THO:

1x Minidobson 76/300

Suchfernrohr oder Leuchtpunktsucher

Mondfilter

2 Okulare

Skyscout-Sternenkarte

Im Idealfall müsste das alles unter 100 Euro zu besorgen sein. Dies bezieht natürlich auch die Möglichkeit mit ein, das ein oder andere gebraucht zu erwerben. Wenn man teuer kauft kostet alles zusammen vielleicht 120 Euro.

mini-dobson (1 von 1)

Das Teleskop

Auf unserer Dobson Montierung befindet sich nun ein nach seinem Erfinder benanntes Newton-Teleskop. Es besteht nur aus einem Spiegel und einem Okularauszug und ist daher die kostengünstigste Variante eines Teleskops.

So ein Minidobson hat 300mm Brennweite. Das ist ca. so viel, wie man in der Naturfotografie benötigt um etwas weiter entfernte Tiere abzubilden.  Was man also durch das Fernrohr sehen wird, ist ein eher weites Feld an Sternen. Der Versuch extremer Vergrößerung wird mit diesem Ding also eher nicht sinnvoll sein. Dies hat zu Beginn vor allem den Vorteil, das man auch bei kleinen Ungenauigkeiten auch noch findet was man sucht.

Der Okularauszug bei solchen Geräten ist meist aus Plastik. Ist zwar nicht die feine Art aber geht schon…

Suchfernrohr oder Leuchtpunktsucher

Bei manchen Angeboten ist schon ein Suchfernrohr inkludiert bei anderen muss es extra erworben werden. Es ist ratsam eines zu besitzen!

Das Suchfernrohr ist, wie der Name schon sagt, dazu da Objekte aufzufinden. Wenn man durch das kleine Röhrchen blickt, dann bemerkt man ein Fadenkreuz.

Folgendes sollte man vor der ersten Beobachtungsnacht tun:

Leg ein Okular mit 10mm oder 12,5mm in den Okularauszg deines Newtons. Dann versuch dein Fernrohr auf einen irdischen Punkt auszurichten. (Kirchturm, Rauchfang, Baumstamm..) Danach stellst du mittels der Schrauben, die am Suchfernrohr angebracht sind, den Mittelpunkt des Fandenkreuzes so ein, dass er auf den selben Punkt wie dein Hauptfernrohr weist. Danach sind deine Röhrchen aufeinander abgestimmt und was du im Suchfernrohr siehst sollte dem entsprechen was du im Newton siehst. Nur eben mit einer anderen Vergrößerung.

Beim Suchen mit dem Suchfernrohr muss man die Fähigkeit haben beide Augen offen zu behalten, während man mit einem durch das Rohr und mit dem anderen frei in den Himmel schaut. Ich konnte das anfangs nicht und hätte beinahe deshalb aufgegeben. Dann hab ich mir einen Leuchtpunktsucher zugelegt und alles war gut. Durch das Suchen mit dem Leuchtpunktsucher habe ich dann ganz nebenbei gelernt das Suchfernrohr zu benutzen. Ein Leuchtpunktsucher kostet zwar noch einmal extra, kann aber sehr nützlich sein. Tu mir den Gefallen und lass deine Neugier stärker sein als deine Probleme mit dem Sucher…

Okulare

Erst einmal solltest du von den mitgelieferten Okularen ausgehen. 10mm und 20mm sind für den Anfang sehr sinnvoll. Mittels den Okularen kann man den Vergrößerungsfaktor bestimmen. Eine ganz einfache Formel ist dabei sehr nützlcih. Brennweite : Okular = Vergrößerung  Ein Beispiel: Unser Teleskop hat 300mm Brennweite und wir verwenden unser Okular mit 10mm. Also 300:10 und wir wissen, dass unsere Vergrößerung 30x beträgt.

Die mitgelieferten Okulare sind natürlich Trash. So passen sie aber wenigstens gut zum Okularauszug und reichen locker für den Anfang.

Mondfilter

Ein sehr einfaches Objekt zur astronomischen Himmelsbeobachtung ist der Mond. Dieser ist aber in deinem Teleskop so hell zu sehen, dass du das Licht etwas  dimmen wirst müssen. Dazu brauchst du den Mondfilter.

Sternenkarte

Später wirst du detailliertere Sternkarten benötigen. Diese hilft aber sehr gut dir erste Ziele zu stecken und zu lernen, wie man mit Sternkarten umgeht. Sie hat laminierte Seiten, darf also bis zu einem gewissen Grad nass werden und kostet nur sensationelle 10 Euro…

Also die erste Version deiner THO-Sternwarte ist fertig. Sie ist einfach zu bedienen und kostengünstig. Außerdem ist sie auch noch reisetauglich…

Eine Frage stellt sich aber noch: „Was kann man jetzt alles damit beobachten?“

Fangen wir damit an was man nicht beobachten kann:

Sieht man bunte Nebel und Galaxien?

Nein sieht man nicht. Im Teleskop wird alles was su siehst in Grautönen gehalten sein. Färbig werden Nebel und Galaxien erst auf einer Fotografie, die ausreichend belichtet wurde.

Sieht man Fußabdrücke oder andere vom Menschen hinterlassenen Dinge auf der mondoberfläche?

Nö sieht man nicht. Sind zu klein.

Was sieht man denn dann?

Also…was man sieht hängt nicht nur vom Teleskop ab. Viele Komponenten spielen eine Rolle. Die Okulare, die Güte des Nachthimmels, das Seeing (Luftunruhe), wie lange hatte das Auge Zeit sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, wie erfahren ist man als Beobachter und und und

Da es mein Ziel ist meine hier empfohlenen ersten Schritte möglichts überall nachvollzierhen zu können führe ich nun Dinge an, die man unter Garantie sieht. Alle andern können ja dann selbst ausprobiert werden…

Natürlich sieht man den Mond und seine Mondgrater. ich habe einmal einen Freund den Mond durch dieses Teleskop gezeigt. (wie gesagt man hat es sehr schnell griffbereit) seitdem sieht er, wie er sagt den Mond mit anderen Augen. „Viel dreidimensionaler“

Als nächstes sind die Paradeobjekte zu nenne:

Zuerst die Planten:

Jupiter mit den 4 galileschen Monden, Mars (nur als rotes Kügelchen), Saturn (mach dich auf etwas gefasst), Venus (als kleinen Mond), Merkur (nur als Punkt), mit geeigneter Sonnenfilterfolie kann man auch Sonnenflecken beobachten. dazu später mehr… NICHT OHNE FOLIE! VERLETZUNGSGEFAHR!

Dann natürlich Sterne. Die hellen und die weniger hellen. Besonders interessant sind dabei Doppelsternsysteme.

Und auch sogenannte Deep-Sky-Objekte wie Sternhaufen, Nebel und Galaxien. Die Nebel befinden sich noch in unserer Heimatgalaxie der Milchstraße, viele Sternenhaufen schon außerhalb (sie umkreisen die Milchstraße (außerhalb ist hier sicher schon Definitionssache)) und Galaxien befinden sich millionen von Lichtjahren weit weg.

Also was sicher geht: Mond, Jupiter, Mars, Venus, Saturn, Orionnebel, Anromedagalaxie, Dreiecksgalaxie, Alkor Mizar, Hantelnebel usw.

Wie schon erwänt werden diese Objekte nicht aussehen wie auf Hochglantzabbildungen. Vielmehr werden sie als kleine milchige Flecken erkennbar sein. Man kann sein Auge schulen und durch die richtige Mischung aus an dem Objekt vorbei sehen und es gleichzeitig anshen wird vielleicht der ein oder andere Spiralarm einer Galaxie sichtbar. Für den Anfang ist das aber nicht so wichtig. Betrachte das Finden von Objekten als eine Art Jagd und freu dich wenn du etwas erwischt. Ein noch so winziger milchiger Fleck wird zu Gold, wenn du es warst, der ihn im Okular erscheinen hat lassen!

Der Minidobson ist mehr als nur ein Spielzeug! Ich empfehle damit ein halbes Jahr bis Jahr zu üben. So kannst du herausfinden, ob du für die Astronomie auch genug Geduld mitbringst. Die wird nämlich notwendig sein! Vielleicht wird es das Bedürfnis geben lieber sofort ein „gescheites“ Teleskop zu kaufen. Bei den astronomischen Preisen am Astromarkt möchte man auch keinesfalls einen Euro zu viel in eine Sache stecken, die dann später in der Ecke steht. Aber lieber ein kleines Teleskop in der Ecke als ein Großes! Und wie schon angemerkt: Gebraucht können sie wirklich extrem billig sein die Minidobsons. Ich hab schon sehr viele Angebote rund um die 20 Euro gesehen…

Wenn du mit dem Minidobson gut umgehen kannst und er beginnt dich anzuöden, dann ist es vielleicht Zeit umzusteigen und dann beginnt das wahre Kopfzermatern. Was will ich mit meinen zukünftigen Fernrohr tun. Nur gucken? Fotografieren? Was will ich fotografieren? Planeten, Deep Sky…

Vielleicht hebst du den Minidobson aber noch ein wenig auf. Ich werde hier noch das ein oder andere Projektchen damit vorstellen. Jüngst hab ich sogar einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, wie man mittels einem 76/300er die Helligkeitskurve von sogenannten „Veränderlichen“ bestimmen kann. Das ist dann fast schon Forschung.🙂

Trash on!