astrofotografie ohne nachführung

Teil 1:

Eine kleine Einleitung zu diesem Thema ist hier zu finden:

Do it with your heart!

Dabei war mir wichtig zu demonstrieren, dass schöne Astrofotos auch ohne spezifische Astroausrüstung möglich sind. Die Bilder von Paleica wurden ausschließlich mit Kamera, Stativ und selbstauslöser gemacht…

In ein paar weiteren Beiträgen möchte ich mich nun der technischen Seite dieser Fotografie widmen:

Bei dieser Art von Astrofotografie (und nicht nur bei dieser) gibt es meiner Auffassung nach  Grundprobleme:

Die Erdbewegung

Die Belichtungszeit

Den ISO-Wert=Rauschen

Diese 3 Grundprobleme bilden, so wie ich es sehe (und nicht nur ich), eine Kette. Das schwächste Glied wirkt sich dabei, wie gewohnt, sehr negativ auf alle anderen Glieder aus.

Die Erdbewegung:

Ohne Nachführung wird sie unser Hauptproblem werden. Unsere Kamera bewegt sich nicht mit dem Sternenhimmel mit und so werden unsere Sterne nach gewisser Zeit zu Strichen. Dadurch wird klar, dass wir nicht an so viel Belichtungszeit kommen können, wie dies mit einer nachgeführten Kamera der Fall wäre.

Die Belichtungszeit:

Hier haben wir also den Salat. Unser erstes Glied wirkt sich negativ auf den nächsten Parameter aus. Wenn wir es nicht schaffen genug Licht auf unseren Chip zu bekommen, dann wird es auch nicht viele Sterne zu sehen geben.

Was kann man aber nun dagegen tun?

  1. Blende so weit wie möglich auf.
  2. ISO Wert so weit wie möglich nach oben

Der ISO-Wert:

So einfach ist es aber leider nicht. Ein hoher ISO-Wert begünstigt das Rauschen auf dem Bild und somit sollte man sehr vorsichtig damit umgehen. Da es viele verschiedene Sensoren gibt, kann man über den korrekten ISO-Wert leider keine Angaben machen. Bei neuen Kameramodellen hat man hier mit Sicherheit mehr Spielraum, als bei meinen Canons. (…da gehe ich nicht gerne über ISO800…)

Somit können wir die Blende bedenkenlos so weit aufmachen, wie wir wollen…

Beim ISO-Wert ist aber Vorsicht angebracht. Der sollte nicht so hoch gewählt sein, dass er das Rauschen unerträglich macht. Durch Ausprobieren lernt man schnell, wie weit man gehen kann.

Ein Ass haben wir noch im Ärmel…das Objektiv…

Ein lichtstarkes Objektiv schafft auch in kurzer Zeit einiges an Licht einzufangen. Wenn wir jetzt zusätzlich die Brennweite erhöhen, dann vergrößert dies noch einmal den Zeitraum, den wir zur Belichtung verfügbar machen können.

Hierzu gibt es auch eine Formel:

Für APS-C Sensoren und ähnliches muss man einfach nur 300 durch die Brennweite des Objektivs dividieren. Im Vollformat ist es 500 durch die Brennweite…

Man kann die mögliche Belichtungszeit aber ebenso durch Ausprobieren ermitteln.

Teil 2:

Nun also eine weitere Episode nur mit Stativ, Kamera und Selbstauslöser…

Die Probleme, die durch die Fotografie ohne Nachführung entstehen, habe ich schon im ersten Teil besprochen:

Astrofotografie ohne spezifische Hilfsmittel…

Nach einigen grundlegenden Techniken in Fitswork möchte ich nun eine weitere kostenlose Software ins Spiel bringen. Den guten alten Deep Sky Stacker. Trotz Pixinsight ist er mir immer noch treuer Begleiter. Eigentlich ist das Programm ja dazu gedacht Deep-Sky-Aufnahmen zu stacken (also zu überlagern) um das Rauschverhältnis zu verbessern.

http://deepskystacker.free.fr/german/

Nun was mit lange belichteten Einzelrames funktioniert, kann man genauso mit Bildern sehr kurzer Belichtungszeit machen, hab ich mir gedacht und so den folgenden Versuch gestartet:

Ich nahm meine Fuji X M1 Systemkamera mit einem Yugno 35mm für Canon zur Hand und packte sie auf ein Stativ. (was es mit der Fuji X M1 auf sich hat werde ich demnächst erläutern…) Das Yugno-Objektiv eignet sich nicht wirklich gut zur Astrofotografie, aber ich hatte es gerade zur Hand…und nicht wirklich lange Zeit. Ein doch recht voller Mond drohte schon Hinter den Häusern…

Nun habe ich Einzelbilder mit ISO 1600 a 7sec geschossen…42 Stück…

Mit Deep-Sky-Stacker ist es nun möglich die Einzelbilder zu einem Summenbild mit einer Gesamtbelichtung von ca. 5min zu addieren. Das bedeutet also, dass sich mittels eines digitalen Tricks ein klein wenig an Mechanik sparen lässt. Ohne die Kamera nachzuführen erhält man mit dieser Technik ein lange belichtetes Foto ohne Strichspuren.

Aber ist es nicht besser die Einzelbilder länger zu belichten?….Natürlich!….🙂

einzel-1

Hier eines der Einzelbilder. Das Sternbild Cassiopeia  Bei 35mm sind laut Formel 8sec Belichtungszeit zu holen. Sicherheitshalber nahm ich als Belichtichtungszeit 7sec. Von diesen Bildern habe ich also 42 Stück gemacht. 42 kann ja bekanntlich niemals falsch sein…

Also hinein in den Deep Sky Stacker:

dssbeg-1

Zuerst wählt man ganz oben (in rot)  Lightframes öffnen. Hier kann man in einem Browser die Aufnahmen auswählen. Dadurch werden die Dateien unten aufgelistet. Mittels Anklicken, können sie im oberen Fenster begutachtet werden. Schlechte Bilder mit z.B. Flugzeugspuren oder leicht verzogenen Sternen kann man nun entsorgen. (rechte Maustaste und Löschen)

Alle verbeleibenden Bilder werden  mit „Alle auswählen“ markiert. (Auswahl wird durch die grünen Häkchen angezeigt)

Als nächstes klickt man auf „Ausgewählte Bilder registrieren“ und ein Fenster geht auf:

stand-1

Dort klickt man auf „Stacking Parameter“…hier lässt sich vieles einstellen…das lassen wir aber erst mal schön sei…wir gehen sicher, dass der „Standard Modus“ aktiviert ist. Nun drücken wir so lange auf alle „OK“-Buttons, die aufscheinen (ich glaub 3x :)) bis der Computer offensichtlich zu rechenen beginnt.

Zuerst werden die Sterne auf allen Einzelbildern vom Computer erfasst und die Lage der Bilder zueinander bestimmt. Deep Sky Stacker richtet also die Bilder automatisch aufeinander aus. Dadurch ist es auch kein Problem, dass unsere Cassiopeia ein klein wenig gewandert ist, bei feststehender Kamera…

Danach werden die Aufnahmen gestackt. Es ist allerdings möglich, dass der Computer warnt, dass nur ein Bild von 42 gestackt wird. Dann muss er Vorgang mit veränderter Einstellung wiederholt werden:

Unter Optionen/Einstellungen/Registrierungs Einstellungen den Sternerkennungsschwellwert herunterstellen. Damit rechnet der Computer zwar etwas länger…aber er kommt ans Ziel… (ich habe ihn bei meinem Experiment auf 9% eingestellt)

Hat man ein fertiges Bild…wird es im TIF-Format abgespeichert.ausg-1

Und in Fitswork geöffnet. Jetzt folgen die altbewährten Tricks:

corr-1

Ein wenig strechen und den Hintergrund etwas dunkler stellen, damit das Ebnen gut funktioniert…

fertig-1

Nach dem Ebnen habe ich den Kontrast noch etwas eingestellt und Verbindungslinien zwischen den Hauptsternen eingezeichnet. Leider hat das Yugno-Objektiv sehr unschöne Sternfarben verursacht…dashalb die Entscheidung zur farblosen Version.

Kein Vergleich mit dem Einzelbild, wie ich find und ich bin sicher, dass bei besseren Lichtverhältnissen (ohne Mond) einiges aus dieser Technik rauszuholen ist.

Einen Nachteil hat die Sache allerdings. Deep Sky Stacker hat keine besondere Freude mit Bildern auf denen terrestrische Objekte als Vordergrundmotiv zu sehen sind. Also nur Himmel keine Erde…

(Einige der erwänhten Bildbearbeitungsschritte sind hier zu finden:

https://trash-hole-oberservatory.com/einfache-bearbeitung-mit-fitswork/   )