gucki

In der Septemberausgabe von „Sterne und Weltraum“ fand ich einen Vergleichsbereicht des Vixen SG 2,1 x 42 und der etwas günstigeren Alternative „Gucki“…da mir das Vixen SG 2,1×42 ein klein wenig zu teuer ist, hat mich der Beitrag vor allem auf das „Gucki“ neugierig gemacht.

Nach einiger Überlegung habe ich es dann angschafft, das „Gucki“ und wie es mir damit erging bzw ergeht, das möchte ich hier kurz berichten:

Das „Gucki“ heißt eigentlich „Kasai Widebino 28“ und wird in Japan gefertigt. In Europa vertreibt es die schweizer Astro-Firma AOK-Swiss…darum Käsli, Schokolädli…Gucki…ist doch nett!

Der Vergrößerungsfaktor von 2,3x würde ja normalerweise eher darauf hindeuten, dass dieses Teil für den Opern-Gebrauch gefertigt wurde und für den Sternenhimmel eher ungeeignet ist. Doch es hat eine Besonderheit mit im Gepäck: 40mm Öffnung…

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Wofür ist es also gut dieses Kleinstfernglas?

Vor allem eignet es sich für Weitfeldbeobachtung. Und wenn ich schreibe „Weitfeld“ dann meine ich auch „Weitfeld“. Ganze Sternbilder passen in das Gesichtsfeld des Gucki…

Bevor ich nun ein paar kurze Beobachtungsberichte zum Besten gebe, möchte ich noch eine weitere Besonderheit des Gucki ansprechen. Bei den Linsensystemen handelt es sich nämlich unüblicherweise um 2 kleine galileische Teleskope…dies wohl hauptsächlich damit das Bild nicht wie bei anderen Refraktoren auf dem Kopf steht…hier eine Kurzbeschreibung von AOK-Swiss:

http://www.aokswiss.ch/d/tel/bino/gucky/gucky.html

Nun ja…als es dann endlich ankam, freute ich mich natürlich nicht wenig darauf es am Sternenhimmel auszutesten. Tagsüber, kommst du dir ja eher ein klein wenig verkackeriert vor, wenn du durch ein Gläschen mit 2,3x Vergrößerung schaust…da wird gleich noch einmal abgesetzt um zu prüfen, ob man auch tatsächlich ein Fernglas in der Hand hält. Fast unmerklich dieser Vergrößerungsfaktor…

Promt gab es ein paar klare Nächte auf die Augen und so konnte das Vergnügen beginnen. Viel Erfahrung habe ich ja nicht gerade in der Fernglas-Beobachtung. Der Funke ist irgendwie nie so richtig übergesprungen. Ich glaube das liegt aber auch daran, dass ich wohl viel zu billig gekauft und mir nie so wirklich Mühe gegeben habe…

Als ich nun das Gucki in den Himmel richtete, war es ähnlich wie am Tag. „Hab ich überhaupt ein Fernglas in der Hand?“…kurz abgesetzt…“Ja hab ich…!?“  Ich versuchte für beide Augen scharf zu stellen und sofort wurde klar: Dies war keine Fehlinvestition…es ist kein Fernglas…es ist eine Gerätschaft, die dem Auge ermöglicht mehr an Licht einzufangen (das ist natürlich bei jedem Teleskop der Fall…nur sonst eben mit mehr Vergrößerung verbunden)… und der Stadtrandhimmel ist voller Sterne. Ein Sinnesorgan-Verstärker! Vixen nennen ihr ähnliches Fernglas „Milchstraßenfernglas“ und ich bin überzeugt, dass das Gucki auch als solches taugt. Dies war ja immerhin einer der Hauptgründe der Anschaffung. Bei meinen Ausflügen in ländliche, dunklere Gebiete wollte ich einen kleinen Begleiter für die schnelle Beobachtung in der Westentasche haben…zum Zeitvertreib während der langen Belichtungszeiten bei der Astrofotografie. Leider werde ich das Gucki in dieser Hinsicht erst nächsten Sommer testen können. Was ich aber unter Vorstadthimmel feststellen konnte ist, dass es nebenbei auch dazu taugt, die Milchstraße unter hellerem Himmel sichtbar zu machen. Meiner Schätzung nach sieht man damit ungefähr 10x so viele Sterne als mit bloßem Auge. (rein subjektiv)

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Mein erstes Beobachtungsobjekt war das Sternbild Cassiopeia…wie gesagt…ca. doppelt so viele Sterne sichtbar…die kleinen Sternhäufchen bereits zart angedeutet. Danach die Andromedagalaxie…fein sichtbar wie unterm Landhimmel…

Mal sehen was der Schwan zu bieten hat: Oh weh…jetzt konnte ich mich wieder erinnern, warum ich Ferngläser nicht so gerne mochte. Wenn im Zenit beobachtet wird, fällt dir das Genick ab. Schnell begriff ich, dass das Gucki dringend nach einer wichtigen Ergänzug verlangte…ich holte einen Liegestuhl aus der Garage und pflack…hier lag ich…den gesamten Schwan im Blick…in seidige Milchstraße gehüllt…und geboren war sie…die bequemste Art der Beobachtung, die ich bisher kenne…ideal für den lauen Sommerabend…einfach genial!

Was soll ich sagen? Seither haben wir uns nicht mehr getrennt, das Gucki und ich. Blitzschnell ist es aus der Tasche geholt und wieder dort verschwunden und so muss man nicht lange überlegen, ob sich die kurze Wolkenlücke für die Beobachtung lohnt…zack…zack-Astronomie…ohne Vergrößerung…dafür mit Superaugen. In Kombination mit Liegestuhl unschlagbar!

Was hab ich seither beobachtet?

Großer Wagen: passt nicht ganz ins Gesichtsfeld…Alkor und Mizar klar uns sehr schön sichtbar…

Cassiopeia: eindeutig mehr Sterne zu sehen als mit freiem Auge…

Schwan: sehr feine Übersicht über das Sternbild…das seidige Band der Milchstraße wird sichtbar…

M31: dreidimensional wirkender milchiger Fleck…bei indirektem Sehen ein schönes Scheibchen…

Orion: Passt gesamt in das Gesichtsfeld…das Schwert des Orion ist gut sichtbar…

Mond: Hier ist der Farbfehler etwas störend. Das Gucki scheint ein wenig zu lichtstark zu sein. Eine Ausnahme war die Mondfinsternis…(weil der Mond ja dunkler war🙂 )

usw…

Wer kann das Gucki brauchen?

-Astrofotografen…wie gesagt zum Zeitfertreib während langer Belichtungen…

-Beobachter, die mal eine andere Art der Beobachtung kennenlernen möchten…

-Einsteiger, denen oft noch der Überlick fehlt und die womöglich, wegen einem nicht so dunklen Himmel, die Sternbilder nicht so vorfinden, wie sie auf Sternenkarten verzeichnet sind…

-Leute, die gerne im Freien sind, sich zwar nicht so großartig für Astronomie interessieren, aber sich so dann und wann den romantischen Outdoor-Blick in den Sternenhimmel ein wenig versüßen wollen…

-Vielleicht ist es auch etwas für Freunde des Musiktheaters (kann ich nicht beurteilen🙂 )…hierfür gäbe es aber sicher kostengünstigere Alternativen.

Zwei Extras bleiben noch zu erwähnen: Mittels zweier Adapter ist es möglich 2″ Filter vor den Gläsern anzubringen…bei großen Nebeln sicher ein Augenschmaus…hab ich noch nicht versucht…die Filter würden noch einmal so viel anschlagen wie das Gucki selbst. In Japan wird außerdem eine Art Schiebrille vertrieben, auf die man das Gucki montieren kann. Dann muss man es nicht einmal mehr festhalten…sicher eine gute Möglichkeit um das Gucki noch weiter in Richtung „Sinnesorgan-Verstärker“ zu treiben…ob man mit einer solchen Konstruktion am Straßenverkehr teilnehmen sollte sei jedoch dahingestellt…

Doch weiter noch!

Meine Liebe zum Kleinstfernglas war geweckt…neue Objekte der Begierde also:

Ferngläser mit geringer Vergrößerung. Geht es womöglich günstiger? Auf Fergläsern findet man oft Bezeichnungen wie „8×60“ oder „10×50“ usw…was bedeuten denn nun diese geheimnisvollen Zahlen? Gaaaanz einfach: Die vordere Zahl gibt an wieviel mal ein Objekt bei der Betrachtung vergrößert wird und hinten wird die Öffnung in mm angegeben…

Am Kasai (Gucki) ist 2,3×40 zu lesen. Mit einer so kleinen Vergrößerung habe ich nichts qualitativ Annehmbares finden können…außer die schon genannten…sonst nur Operngläser…

Günstige Varianten (unter Euro 30) findet man am Gebrauchtmarkt mit 4x Vergrößerung. Ich habe mich für dieses gute Stück hier entschieden:

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„made in ussr“ 4×36…also schon etwas älter das Teil…von der Machart dem „Gucki“ nicht unähnlich…jedoch mit dem Manko, dass nicht für jedes Auge extra scharf gestellt werden kann…

Natürlich ist bei einem höheren Vergrößerungsfaktor das Gesichtsfeld nicht gar so groß wie beim Gucki und daher ist es nicht mehr möglich gesamte Sterbilder zu betrachten. Dafür kommen aber Paradeobjekte wie M31 oder M42 sehr schön heraus. Ich habe mit meinem „Kauf ins Blaue“, denke ich,  auch ein wenig Glück gehabt…es dürfte tatsächlich für die Astronomie gemacht worden sein. Es gibt kaum Farbfehler und irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass Filter im System verbaut sind. M42 habe ich ungefiltert noch nie so deutlich gesehen (außer natürlich durch meinen 10-Zöller)…

gucker (1 von 1)

Unter dem Strich habe ich jetzt 2 gute Ferngläser im unteren Vergrößerungsbereich. Ähnlich sind sie sich jedoch nicht. Die verbreitete 4x-Vergrößerung entspricht der eines kleinen Fernglases…die 2,3x-Variante ist mehr ein Verstärker für das menschliche Auge…

Nächstes Jahr im Sommer wird es wohl eine Fortsetzung dieses Beitrags geben…

trash on!

PS: Für Brillenträger dürfte das Gucki leider nicht so gut geeignet sein…da ist das Produkt von Vixen scheinbar besser…wer eine Anschaffung überlegt, sollte vielleicht auch den Beitrag im „Sterne und Weltraum“ dazu lesen!

 

Fortsetzung:

Hier ein kleiner Nachtrag zum Gucki unter sehr dunklem Himmel. Getestet konnte das gute Stück im oberösterreichischen Mühlviertel und am Teide auf Teneriffa werden.

Eigentlich war ich ja auch schon unter heimischem Himmel begeistert vom Gucki. Hauptsächlich wegen seiner praktischen und unkomplizierten Anwendung. Das Fernglas verlangt nach keinem Stativ und gibt einen wunderbaaren Überblick im Weitfeld. Ein klassisches Liegestuhlinstrument also und so ein nettes Spielzeug gerade für den Astrofotografen, der vielleicht ein paar Blicke nebenbei riskieren möchte. Auch kurze Wolkenlücken lassen sich vortrefflich nutzen,so man das Gucki griffbereit hält…und das mache ich…es ist auch nach langer Anwendung nicht langweilig geworden…

Wirklich punkten kann es aber unter richtig dunkelm Himmel. Die Nebel und Sternhaufen der Milchstraße treten wunderbar aus den Sternfeldern und die Anzahl der Sterne scheint enorm. Gerade am Teide, wo man der Sommermilchstraße noch ein wenig weiter richtig Süden folgen kann, als in unseren Breiten, offenbart das Gucki einen Blick auf die galaktischen Schönheiten in Richtung Zentrum der Galaxis. Aber auch rund um den Schwan zeigt das Weitfeldfernglas einiges an Details.

Was soll ich noch hinzufügen?…der Hammer!…würde ich wieder kaufen. Kompakt, äußerst Reisetauglich, macht auch noch Spaß nach langer Anwendung und ist ein echter Lichtmeister unter Dunklem Himmel…